|
Obwohl es ja scheint, als sei abstrakte Fotografie einfacher als Portrait oder Dokumentationen, liegen hier die
Schwierigkeiten lediglich an einer anderen Stelle. Auch wenn man theoretisch jeden Fleck auf dem Foto schönreden
kann, ist dies für die Fotografin oder den Fotografen selbst natürlich unbefriedigend. Es gibt hier auch
Herausforderungen, die allerdings weniger im Ergebnis zu sehen sind sondern sich eher im Enstehungsprozess zeigen.
Die Schwierigkeiten
liegen im Sehen. Dies ist auch wahr für jede andere Fotografie, aber bei der abstrakten ist es sinnvoll, wenn
man die Welt mit völlig anderen Augen sieht. Und zwar mit denen eines Neugeborenen. Normal lernen wir recht früh, welche Objekte welche Bedeutung haben. So denkt man unwillkürlich, wenn man zum Beispiel eine Gabel sieht: Haushaltsgegenstand. Man denkt: sauber oder dreckig. Man denkt: achtung, vorne ist die spitz wenn ich sie anfasse. Es ist eine teure oder billige Gabel, eine schöne oder hässliche und so weiter. Dieses Wissen ist allgegenwärtig und konstituiert unsere Realität. Aber man kann doch nun den Versuch unternehmen, all dieses zu vergessen und sich darauf konzentrieren, wass man wirklich sieht. Man sieht, um beim Beispiel der Gabel zu bleiben, eine längliche, leicht geschwungene Fläche, die von der Tischplattenfläche umschlossen wird. In diesem Zusammenhang ist selbst räumliches Sehen unwesentlich. Man sieht, dass sich die Struktur des Bereiches "Gabel" von dem Bereich "Tisch" nicht nur in farblicher Hinsicht sondern auch vom Muster her unterscheidet. Usw... Auf dieser Basis kann man nun anfangen, nach interessanten Mustern, Farben etc zu suchen. |