Dabei ist klar, dass auch wenn jeder die Möglichkeit des Sehens hat, man eine gewisse Virtuosität im Gebrauch von Handwerksgeräten braucht, um Schönheit zu erstellen (wenn man es nicht dem Zufall überlassen will). Die Virtuosität wird man wohl in der Regel lernen müssen. Diese Erkenntnis ist trivial. Das Interessante dabei ist jedoch, was gilt als Handwerksgerät? Meine Kunstlehrerin und ich haben uns gelegentlich trefflichst gestritten, ob in der Malerei Dinge wie Gewichtung, Linienverlauf, Fläche/Farbton/Form als Handwerkszeug des Malers bezeichnet werden können, oder ob es nur die Pinsel, die Farbe und das Papier sind. Ein aus Sicht von Balance und ästhetischer Stimmigkeit völlig unzureichendes Bild (also eines, bei dem der Maler vielleicht virtuos mit Pinsel, aber nicht virtuos mit Linie/Farbton/Fläche umgegangen ist*) kann ja wohl Schönheit beinhalten. Aber "als Bild" nach den Regeln der Kunst wäre es unschön.
Die Fotografie ist in dieser Hinsicht völlig gleich. Es sind nur unterschiedliche Werkzeuge um eine Fläche mit Farbe und Form zu füllen.   

*Dabei setze ich jetzt hier mal der Einfachheit voraus, dass es soetwas gibt, wie eine "natürliche" (aber veränderliche) Empfindung der Menschen gegenüber diesen Dingen wie Farbe und Form gibt, gemäß der etwas "aus dem Gleichgewicht" oder "unschön" unabhängig von persönlichen Geschmack des Betrachters sein kann. Das dies zunächst ein Glaube ist, ist mir klar.