Die Auswirkungen des Fotojournalismus
Die Errungenschaften des Fotojournalismus oder manchmal nur eines einzigen Fotos sind unzählbar indem es uns aufrüttelt,
informiert, bewegt.
Kriege können begonnen und beendet werden aufgrund bildbasierter Berichterstattung und damit einhergehend
mobilisierter Emotion der Bevölkerung. Vielfach wurde zweifelsohne Leid schon verhindert, weil es Zeugen gab, die Bilder
nach Hause trugen und Hilfe holten. Die Organisation
"Witness" hat sich zum Beispiel genau dieser Aufgabe gewidmet.
Aber in dieser Möglichkeit steckt auch eine Gefahr. Denn die Bilder des Leides oder auch der Freude müssen
verkraftet werden. Und die Fähigkeit dazu hat jeder Mensch in verschiedenem Maße. Was passiert, wenn es zuviel
Eindrücke des Elends gibt?! Vielerlei ist denkbar.
Susan Sontag schreibt in "On Photography" im Jahre 1977, also zu einem Zeitpunkt, als Bilder der Nachrichten
noch lang nicht die Härte heutiger Berichterstattung hatten: "Zu leiden ist etwas anderes, als mit fotografischen
Abbildungen des Leidens zu leben, was nicht unbedingt bedeutet, dass das Gewissen geschärft und die Mitleidsfähigkeit gesteigert
wird. Es kann sie auch korrumpieren. Hat man einmal solche Bilder betrachtet, dann ist man bereits auf dem Weg, mehr davon
zu sehen - und immer mehr. Bilder lähmen. Bilder berauben. Ein Ereignis, das wir durch Fotografien kennen, erlangt für
uns zweifellos mehr Realität, als wenn wir diese Bilder nie gesehen hätten - man denke nur an Vietnam. (Sie bezieht sich
auf das von Napalm getroffene Mädchen, ein Bild das auch unter "berühmte Beispiele" auf dieser Seite zu sehen ist.) Aber je
öfter man mit solchen Bildern konfrontiert wird, desto weniger real erscheint das betreffende Ereignis."
Schließlich trifft das Gegenteil von dem ein, was man denken würde: man will mehr dieser Bilder sehen anstatt alles in
die Wege zu leiten, deren Ursache zu bekämpfen. Vor dieser Gefahr scheint im Grunde NIEMAND geschützt zu sein, auch wenn man
manchen Zeitungen vermehrt Vorwürfe macht als anderen. Und es ist sowieso allein UNSERE Aufgabe, das nicht mehr sehen zu WOLLEN.